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Der Alltag im Tierkrematorium

Aktualisiert: Aug 26




Der Tod seines geliebten Haustieres ist ein Thema, mit dem man sich zu Lebzeiten des Tieres nur ungern auseinandersetzt. Doch irgendwann ist die Zeit des Abschieds gekommen.


Im Wiener Tierkrematorium (WTK) werden die Mitarbeiter jeden Tag mit diesem Thema konfrontiert. Ein Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen des WTK über ihren Alltag und ihre Erfahrungen gewährt Einblicke in diese herausfordernde Tätigkeit.


Viktoria A. ist seit kurzem Mitarbeiterin am WTK und zuständig für die Kundenbetreuung vor Ort. Katharina M. ist seit einigen Jahren im Außendienst und in der Anlagenführung tätig.



Warum wird man Mitarbeiter in einem Tierkrematorium?


Viktoria A.: Seit 3 Monaten bin ich Mitglied des Wiener Tierkrematorium- Teams. Vorweg, ich habe mir nie ausgemalt einmal in einem Tierkrematorium zu arbeiten. Mittlerweile würde ich sagen es war eine glückliche Fügung, dass ich hier „gelandet“ bin. Da ich selbst mit zwei Hunden zusammenlebe, kann ich mich sehr gut in die tragische Situation unserer Kunden hineinversetzen. Das hilft mir sehr im Umgang mit trauernden Haustierbesitzern. Hier kann ich umsetzen, was ich mir auch selbst bei der Verabschiedung meiner geliebten Tiere wünschen würde.


WTK - Urnenschauraum


Weshalb kommen Menschen ins Wiener Tierkrematorium?


Katharina M.: Der Stellenwert von Haustieren wird immer größer. Für viele Menschen ist das Tier ein vollwertiges Familienmitglied und oft der jahrelang der einzige Partner im Leben. Tierbesitzer wünschen sich daher eine würdevolle Verabschiedung und Bestattung am Ende dieses gemeinsamen Weges. Die Alternative ist nur die Tierkörperbeseitigung, bei der die Körper der Tiere gemeinsam mit tierischen Abfällen zu Brennstoffen und Industrieölen verwertet werden.



Wie gehen Sie mit der Trauer von Kunden um?


Viktoria A.: Der Alltag im Tierkrematorium wird natürlich vom bitteren Beigeschmack des Todes begleitet. Tatsächlich hatte ich große Angst vor meiner neuen Aufgabe, gerade durch die Tatsache, dass ich Tiere über alles liebe. Jedoch bringt mir genau diese das notwendige Fingerspitzengefühl, um mit Kunden empathisch und verständnisvoll umgehen zu können. Das Trösten ist ein großer Bestandteil unserer Tätigkeit und gehört genauso wie das Zuhören zu den Fertigkeiten die man in unserem Job mitbringen muss.



WTK - Verabschiedungsraum mit Sichtfenster

Welche Möglichkeiten habe ich als Haustierbesitzer?


Katharina M.: Wir bieten sowohl Einzel- als auch Einfachkremierungen an. Bei uns ist es möglich, bei der Einäscherung persönlich anwesend zu sein und sich noch einmal von seinem geliebten Haustier zu verabschieden. Durch ein Sichtfenster kann man den Vorgang mitverfolgen, so dass man sich sicher sein kann, dass ausschließlich sein Tier kremiert wird. Je nach Gewicht des Tieres kann man nach einigen Stunden die Asche in einer gewählten Urne oder in unserem Transportpaket mit nach Hause nehmen. Zahlreiche Andenken wie Pfotenabdrücke oder auch Ascheschmuckanhänger kann man sich direkt vor Ort aussuchen.

Bei der Einfachkremierung werden zwischen 5 und 7 Tieren gemeinsam verbrannt und anschließend in unsere Gemeinschaftsurne am Tierfriedhof Wien eingebracht.





Nimmt man den Beruf mit nach Hause?


Viktoria A.: Manchmal ist man Situationen ausgesetzt, die man dann sehr wohl mit nach Hause nimmt. Allerdings versuche ich ein wenig Distanz zu meiner Tätigkeit zu wahren, auch um weiterhin professionell unsere Kunden betreuen zu können.


Katharina M.: Mein Hund ist mittlerweile über 13 Jahre alt und die tägliche Konfrontation mit dem Thema Tod lässt mich natürlich dann auch zuhause nicht los. Aber mich macht es nicht nur traurig, sondern ich kann die gemeinsame Zeit mit meinem Labrador viel besser verbringen und bin dankbar für jeden Tag, den wir zusammen geschenkt bekommen. Man akzeptiert, dass der Abschied eine Tatsache ist, die man nicht ändern kann.



Wie kann man sich eine Einäscherung vorstellen?


Katharina M.: Unsere Anlage besteht aus zwei Kremationsöfen, die beide für unterschiedliche Gewichte ausgelegt sind. Denn je nach Gewicht des Haustieres variiert die Zeit, die eine Einzeleinäscherung dauert. Im Schnitt dauert die Einäscherung einer Katze rund 90 Minuten, die eines großen Hundes mit 30 Kilogramm circa 2 bis 3 Stunden. Die Temperaturen in unseren Kremationsöfen liegen zwischen 700 und 870 Grad. Vor der Einäscherung wird noch einmal die Identität des Tieres und das genaue Gewicht festgestellt um Verwechslungen auszuschließen. Jeder Schritt wird genauestens von uns dokumentiert.



Was würden Sie Tierbesitzern gerne abschließend mitteilen?


Viktoria A.: Dass der Tod nichts Schlimmes ist. Er gehört zum Leben dazu und soll uns darauf aufmerksam machen, jeden Tag mit unseren Liebsten so schön wie möglich zu verbringen. Ich sehe unsere Tätigkeit als etwas Positives, immerhin kommen Menschen zu uns, weil sie sich für ihren geliebten Freund einen würdevollen Abschied wünschen – einen Wunsch, den wir mit vollstem Verantwortungsbewusstsein erfüllen.



Weitere Informationen zum Wiener Tierkrematorium findest du hier!



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